Der Schlagabtausch geht weiter

Auch am Donnerstag standen sich Kontrahenten gegenüber, deren Standpunkte erhebliches Konfliktpotenzial beinhalten: Logistik im digitalen Webportal oder in Form analogen Spedition sowie Stadt vs. Land. Zwei Themen, für die es richtungsweisende Zukunftsentscheidungen zu treffen gilt?

Gleich im ersten Fight trafen Vertreter zweier grundverschiedener Geschäftsmodelle aufeinander: Max Schäfer, Betreiber des Startupunternehmens »InstaFreight« (digitale Logistikplattform) und Stefan Gulbiens, Geschäftsführer der Ebeling Logistik.

Doch auch wenn Moderator Olaf Krause gleich zu Beginn der ersten Runde provokativ fragte: »Buhlen Sie nicht beide um den gleichen Kunden, drängen Sie nicht in den Markt des jeweils anderen?«, startete der Schlagabtausch überraschend einvernehmlich. »Jedes unserer Geschäftsmodelle hat Vorzüge und die Kunst ist es, miteinander zu agieren, statt gegeneinander zu arbeiten«, so Max Schäfer. »Auch sprechen wir durchaus andere Zielgruppen an. Möchte ein Kunde alles digital abwickeln, dann aber den Frachtbrief ausgedruckt zugeschickt bekommen, ist er bei uns nicht wirklich an der richtigen Stelle. Wir empfehlen dann, sich an einen traditionellen Logistiker zu wenden. Digital bedeutet für uns: Digital von A – Z.«

Klare Vorteile sieht Stefan Gulbiens vor allen Dingen auf der vielzitierten »letzten Meile« für Unternehmen wie die Spedition Ebeling. »Die Regionalität und der direkte Zugriff auf eigene Transportmittel bieten neben Flexibilität auch Verbindlichkeit in den Zusagen – wenn Aussagen zu Lieferungen und Terminen getroffen werden, sind diese gesichert, weil der die hauseigene Einsatzplanung der Assets möglich ist.«

Die eingangs gestellte Frage hinsichtlich der richtungsweisenden Entscheidungen stellt sich an dieser Stelle nicht – die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Geschäftsvarianten ist das eigentliche Zukunftsmodell.

Auch im Fight Stadt vs. Land können beide Positionen sehr gute Argumente für sich geltend machen. Flächen, beispielsweise, sind auf dem Land einfacher und zu günstigeren Konditionen zu bekommen. Das ist für die Ansiedlung von größeren Verteilzentren sicher von Vorteil. »Allerdings«, so Carsten Niemann, Bürgermeister der Samtgemeinde Ahlden Hodenhagen, »wird es auch im ländlichen Raum zunehmend schwieriger, entsprechende Flächen zu bekommen. Auch Landwirte, die ja über die meisten Flächen verfügen, müssen eine bestimmte Betriebsgröße erhalten, um wirtschaftlich agieren zu können.«

Entscheidend für die Ansiedelung eines Unternehmens sind heute auch die in der Nähe wohnenden Fachkräfte. In Logistikunternehmen beträgt die Quote ca. 15% der MitarbeiterInnen. Ein klarer Vorteil für urbane Strukturen, da hier einfach in absoluter Zahl mehr Menschen leben – und somit mehr Fachkräfte.

»Das entscheidende Kriterium aber«, so Alexander Skubowius von der Wirtschaftsförderung der Region Hannover, »ist aber immer die Nähe zum Kunden. Egal, ob das der Supermarkt oder das Autohaus ist – kurze Wege sind das A und O.«

Impressionen vom Donnerstag:

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